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Action und Verantwortung

Polizeikommissarin Miriam Kuna und Polizeioberkommissar Gorden Wall bilden ein gutes Team.
Action und Verantwortung
Der Dienst bei der Autobahnpolizei ist selbstbestimmt und abwechslungsreich.
Streife-Redaktion

Die Autobahnpolizei steht vor großen Herausforderungen. Sie überwacht den zunehmenden Verkehr, bekämpft Kriminalität, hilft Verletzten. Immer mehr Baustellen verursachen Staus und Unfälle. Besonders viel ist bei der Autobahnpolizeiwache Recklinghausen los, die dem Polizeipräsidium Münster untersteht. Die APW betreut in beiden Richtungen insgesamt 380 Streckenkilometer. 68 Polizistinnen und Polizisten sind dort beschäftigt.

„Da gibt es doch keine Action“, dachte Miriam Kuna, als sie direkt nach der Ausbildung der Autobahnpolizeiwache in Recklinghausen zugewiesen wurde. Eigentlich wollte die Münsteranerin eine Stelle in ihrer Heimatstadt. „Ich war erst traurig und enttäuscht.“ Das änderte sich bald. „Meine Dienstgruppe nahm mich total nett auf. Dann habe ich schnell gemerkt, wie abwechslungsreich der Job bei der APW ist“, erzählt sie.

Seit eineinhalb Jahren ist sie nun dabei. Inzwischen hat sie sich für weitere drei Jahre verpflichtet. Polizeioberkommissar Gorden Wall dockte vor mehr als sieben Jahren bei der APW an. Lange hatte der 47-Jährige Fußballspiele, Demos oder Castor-Transporte mit einer Hundertschaft begleitet. „Die Wochenenden waren fast immer verplant.“ Mittlerweile könne er samstags oder sonntags auch mal angeln oder den Garten pflegen. Das Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt, liegt ganz in der Nähe. Vor allem begeistert ihn, wie selbstbestimmt der Job als Autobahnpolizist ist. „Genau das habe ich immer gewollt.“

Kuna und Wall bilden ein gutes Team. Sie verstehen sich blendend, wenn sie wieder einmal bei einer Schicht gemeinsam im Wagen sitzen. Heute entscheiden sie sich, schwerpunktmäßig den Güterverkehr zu kontrollieren. Sie fühlen sich dabei ein bisschen „wie Zielfahnder“, sagen sie mit einem Grinsen. Es geht unter anderem darum, Führerscheinklassen zu überprüfen, das Ladegewicht der Transporter auf Überschreitungen zu taxieren oder Alkoholtests durchzuführen. „Wir kriegen sie alle“, meint Miriam Kuna motiviert.

Und es dauert tatsächlich nicht lange, da hat die frühere Leistungsschwimmerin auf der A 2 in Gladbeck Richtung Hannover einen Lastwagenfahrer erspäht, der offensichtlich ein Handy in der Hand hält. Gorden Wall am Steuer überholt und schaltet auf dem Dach des BMW 520 den Hinweis „Bitte folgen“ ein.

Am nächsten Rastplatz wird der Lkw-Chauffeur, ein Deutsch sprechender Tscheche, „verarztet“. Den Verstoß gibt der Mann gleich zu. „Ich habe das Handy als Navi benutzt“, teilt er bereitwillig mit. Da im Fahrerhaus auch zwei leere Eineinhalb-Liter-Flaschen Bier liegen, wird er gebeten, in das Messgerät zu pusten. Das Ergebnis ist negativ. Mit einer Sicherheitsleistung von 130 Euro, die er gleich zahlen muss, ist er einverstanden. Es ist bereits der zweite Handy-Verstoß, den PKin Kuna und POK Wall seit ihrem Dienstantritt um sechs Uhr morgens vermelden können.

Auf der Autobahnpolizeiwache erlebt man leider auch viel Schlimmes. Vor einigen Monaten hatte die APW Recklinghausen einen schwarzen Tag. Auf der A 2 hatte ein 57-jähriger Motorradfahrer aus Gladbeck einen Stau offenbar nicht rechtzeitig bemerkt und war am Vormittag auf einen Peugeot aufgeprallt. Der Mann erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Wenige Stunden später stieß ein VW beim Wechseln der Spur auf der A 31 mit einem Gliederzug zusammen. Der Fahrer aus Gelsenkirchen und die Beifahrerin starben, die beiden Mitfahrer im Fond wurden schwer verletzt ins Krankenhaus transportiert. Für Stunden musste die Autobahn gesperrt werden.

„Das so etwas fast gleichzeitig passiert, ist total selten“, sagt Gorden Wall. Aber natürlich gehörten tödliche Unfälle zum Beruf. Schwer zu ertragen seien die Gaffer, die mit ihren Handys filmen, während andere um das Leben verunglückter Menschen kämpfen.

Dramatische Momente gibt es viele. Auch Miriam Kuna kennt sie. So erlebte sie beispielsweise, wie sich ein 18-jähriges Mädchen von einer Autobahnbrücke stürzen wollte. „Wir haben mit ihr gesprochen, um sie abzuhalten, und ganz vorsichtig gefragt, ob wir näher kommen dürfen.“ Schließlich habe sie eingewilligt, sei hinter die Absperrung geklettert und habe den Selbstmordversuch aufgegeben. „Ich hatte bis zum letzten Moment Angst, dass sie mit ihren Birkenstockschuhen noch abrutschen könnte und nach unten stürzt.“

In solch schwer verkraftbaren Fällen bieten die PSU-Teams (Psychosoziale Unterstützung) der Polizei oder die Seelsorger Hilfe an. Die Bereitschaft, solche Angebote von außen anzunehmen, ist offenbar gestiegen. Früher hätten viele abgeblockt und beteuert, mit ihnen sei alles in Ordnung, sagt Dienstgruppenleiter Martin Koch. „Natürlich beobachtet man immer, ob sich Kollegen nach einem schockierenden Erlebnis plötzlich anders verhalten oder bedrückt sind“, führt der Polizeihauptkommissar aus. Katastrophen können auch Falschfahrer auslösen. Streifenwagen nähern sich in solchen Fällen auf der gegenüberliegenden Spur und machen auf den Irrtum aufmerksam. „Das ist nicht leicht, denn die meisten Falschfahrer sind wie im Tunnel.“

Eine Gefahr bedeuten auch die Kriminellen – vom Drogenhändler bis zu Geldautomatensprengern –, die auf der Autobahn unterwegs sind. Nachts ist es besonders kritisch. Bewaffnete Banden haben auf Rast - plätzen schon schlafende Lkw-Fahrer überfallen und die Ladung entwendet. Das alte Vorurteil von der Geradeaus-Polizei, bei der ewig der gleiche Trott herrscht, hat wahrscheinlich nie gestimmt. Mittlerweile ist der Spruch beinahe absurd angesichts der zahlreichen Lagen mit hohem Risiko. Die Streifen werden in solchen Fällen von der Leitstelle koordiniert.

Das gilt auch für Verfolgungsfahrten. Grundsätzlich will die Autobahnpolizei unbedingt verhindern, dass jemand in Panik gerät und verunglückt. Generell müsse man stets eine Güterabwägung treffen, so Dienstgruppenleiter Koch. Auf der einen Seite stehe das Interesse an der Strafverfolgung, auf der anderen die Gefahr für Leib und Leben. „Eine Verfolgungsfahrt gehört zwar im Fernsehen zu einem guten Krimi. Aber wenn jemand mit aller Macht entkommen will, passiert leicht ein Unfall. Die Polizei muss deshalb einen kühlen Kopf bewahren. Schließlich gibt es immer die Chance auf einen zweiten Zugriff.“

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