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Großstadtgefühl im Streifendienst in Pollenca und Alcudia

Großstadtgefühl im Streifendienst in Pollenca und Alcudia
Großstadtgefühl im Streifendienst in Pollenca und Alcudia
Polizeikommissarin Denise von Pidoll im Polizeieinsatz im 17. Bundesland - auf Mallorca.
Polizei Köln, Denise von Pidoll

Wie jedes Jahr schrieb das Innenministerium NRW auch in diesem Frühjahr wieder verschiedene Stellen für die Sommermonate in Frankreich und Spanien aus. Voraussetzungen hierfür waren das fließende Beherrschen der jeweiligen Landessprache in Wort und Schrift, sowie die Zugehörigkeit zum „erweiterten Streifendienst". Nach Zustimmung der jeweiligen Behörde erfolgte die finale Zusage durch das IM NRW, das Bundesinnenministerium und den Attache der jeweiligen Botschaft. 

Ich bewarb mich für Spanien und bekam letztlich sehr kurzfristig das Angebot, im September 2017 nach Mallorca zu gehen. So kam es, dass ich Ende August meine Koffer packte, um für einen Monat meinen Dienst auf der „des Deutschen liebsten Insel" zu versehen. Eingesetzt war ich im Norden der Insel, in der Bucht von Pollenca und Alcudia. Hier reisen jedes Jahr Tausende deutsche Touristen hin, um ihren Jahresurlaub zu verbringen. 

 

Eine Kleinstadt wird im Sommer zu einer „Großstadt“ 

Man könnte meinen, dass man als Polizistin in den schönsten Urlaubsorten eine urlaubsähnliche Zeit verbringen könnte. Doch dem ist nicht so. Denn, wo es schön ist, gibt es viele Touristen und wo viele Touristen sind, hat die Polizei besonders viel zu tun. 

Eigentlich liegen die Einwohnerzahlen der Örtchen Alcudia und Pollenca jeweils bei unter 20.000 Einwohnern mit einem Ausländeranteil von etwa 25 Prozent. In den Sommermonaten wachsen die „Städtchen" jedoch, wenn man die zahlreichen Touristen einkalkuliert, zu echten Großstädten heran mit einem deutlich höheren Ausländeranteil. Mehr Polizeibeamte kann sich die Guarida Civil allerdings in den Sommermonaten nicht leisten, da es in sämtlichen spanischen Küstenorten ähnlich aussieht. Ein bis zwei Streifenwagen pro Schicht sind normal, sowohl für die Kleinstadt im Winter, als auch für die „Großstadt" im Sommer. Nachvollziehbar, dass Spanien um Unterstützung durch ausländische Polizeibeamte bittet. Neben uns deutschen Polizisten versahen auf den Balearen noch zwei französische Kollegen der Gendarmerie ihren Dienst auf Mallorca, sowie zwei italienische Carabinieri auf Formentera. 

 

Großstadtgefühl beim Streifendienst in Pollenca und Alcudia

Meine tägliche Aufgabe war es, mit einem spanischen Kollegen auf eine „gemischte Streife" zu gehen. Wir nahmen ausschließlich Einsätze wahr, bei denen Touristen beteiligt waren. Diese Einsätze reichten von einfachen Diebstählen bis hin zu Gewaltdelikten aller Art. Das Spektrum war ähnlich vielfältig wie in einer Großstadt. Generell lag mein Arbeitsschwerpunkt bei der Betreuung und Beratung der Geschädigten, der Aufnahme von Straftaten und dem anschließenden Übersetzen an meine spanischen Kollegen. 

Gab es mal keine Einsätze für uns, leisteten wir Präventionsarbeit in dem wir auf Präsenzstreife gingen. Patrouillieren auf Märkten, im Hafenviertel, an der Strandpromenade und allen Örtlichkeiten, wo viele Touristen unterwegs waren, gehörten zur Tagesordnung. Dies hatte zum einen den Vorteil, Straftäter von den Touristenspots zu verdrängen und zum anderen das subjektive Sicherheitsgefühl der Urlauber zu erhöhen. Schnell war das Vorhandensein einer „Touristenpolizei" bekannt und wurde vielfältig genutzt. Regelmäßig wurde ich in meiner deutschen Uniform von Touristen angesprochen. Häufig stieß mein Dasein noch auf Überraschung - immer jedoch auf positive Resonanz. Nicht nur die Urlauber, die auf die Polizei angewiesen waren, zeigten eine sehr hohe Dankbarkeit darüber, dass sie ihr Problem direkt mit der deutschen Polizei klären konnten. Auch diejenigen Touristen, die keine Hilfe benötigten, teilten ihr positives Empfinden über das Vorhandensein der heimischen Polizei mit. 

Genauso dankbar waren die spanischen Kollegen für die Entlastung bei der Arbeit mit den Touristen. Das Interesse der Spanier an der deutschen Polizeiorganisation war sehr hoch. Immer wieder wurde ich über den Aufbau und die Struktur, über Schichtsysteme, Ausrüstung, Arbeitszeiten, Fortbildungen usw. befragt. Selbst über das Ergebnis der Wahlen in Deutschland wusste man aus den Medien bestens Bescheid und wollte wissbegierig die Meinung einer deutschen Kollegin hören. 

Ähnlich wie in Deutschland versah ich an fünf Tagen die Woche 8-Stundendienste. Ergänzt wurden die Dienste durch eine Art „Rufbereitschaft", die ich während meines Aufenthaltes rund um die Uhr hatte und in der ich diverse Male zur Wache gerufen wurde, um bei schwereren Delikten mit deutscher Beteiligung und Kommunikationsproblemen zu übersetzen und die Opfer zu betreuen. 

 

Mallorca - das 17. Bundesland

Mallorca wird jedes Jahr aufs Neue als das Reiseziel Nummer eins der Deutschen ausgewiesen und hat in diesem Jahr mal wieder die Touristenahlen der letzten Jahre übertroffen. Von den dauerhaft residierenden Deutschen und regelmäßig wiederkehrenden Immobilienbesitzern mal ganz abgesehen, reisen die Deutschen in allen Konstellationen, Altersgruppen, aus allen Schichten und mit unterschiedlichen Zielen auf die Insel. Nicht umsonst ist auch in mallorquinischen Kreisen der Spitzname der Deutschen für die Insel als „das 17. Bundesland" bereits angekommen. Es gibt deutsche Kliniken, Dienstleistungsunternehmen, Anwälte und Firmen aller Art auf der Insel. Selbst deutsche Serien und TV Shows werden dort regelmäßig gedreht. Deutsche Polizei auf Mallorca zur Unterstützung der spanischen Kollegen macht deshalb großen Sinn. 

 

Fazit

Meiner Meinung nach können wir nur zugewinnen, wenn wir mit- und füreinander arbeiten, denn so multiplizieren sich unsere Potentiale und lassen sich Konflikte bewältigen. Das Projekt „Europäische Kommissariate" ist nicht nur auf vielen Ebenen hilfreich, förderlich und zukunftsweisend sondern auch aufgrund der positiven Resonanz eine tolle Möglichkeit für das Land sich zu repräsentieren. Ich persönlich konnte mit dem Aufenthalt meine Sprachkenntnisse für den hiesigen Polizeidienst forcieren und bekam zudem die Möglichkeit weiter über den Tellerrand hinausschauen zu können. Dafür möchte ich mich beim Land NRW, dem Polizeipräsidium Köln sowie insbesondere bei meinen Vorgesetzten und Kollegen der PI 3 bedanken.
 

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