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Jugendliche sollen die Kurve kriegen

Kurve kriegen Team Bonn
Jugendliche sollen die Kurve kriegen
"Kurve kriegen", das Präventionsprojekt zur Verhinderung von Jugendkriminalität durch frühzeitige Prävention.

Bisherige Präventionsprogramme sprechen vornehmlich ältere Straffällige an, die bereits strafmündig oder annähernd strafmündig sind. "Kurve kriegen" hat dagegen Kinder ab dem achten Lebensjahr (bis 15 Jahre) im Blick, die mit mindestens einer herausragenden Gewalttat und mehreren Eigentumsdelikten aufgefallen sind. Zudem müssen ihre Lebensumstände von so vielen Problemen und negativen Begleitfaktoren belastet sein, dass ihr dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht.

Das Land NRW beteiligt sich finanziell an Hilfemaßnahmen für diese Zielgruppe und hat bisherige Erfahrungen wissenschaftlich ausgewertet. 40 Prozent der Teilnehmer werden nicht mehr straffällig. Und es entfallen soziale Folgekosten wie Erziehungshilfe, Haft und Resozialisierung. Die volkwirtschaftlichen Kosten, die ein jugendlicher Intensivtäter im Alter von 14 bis 25 Jahren verursacht, liegen laut einer Studie bei rund 1,7 Millionen Euro.

Über allem steht jedoch in erster Linie der gesellschaftliche Erfolg. Ziel ist es, junge Täter aufzufangen und davon abzubringen, Straftaten zu begehen, die immer neue Opfer schaffen.

 

So  funktioniert "Kurve kriegen"

Kriminalhauptkommissarin Irmgard Küsters, zuständig für den Opferschutz in der Kreispolizeibehörde Bonn, und Sozialpädagoge Jörg Cadsky erläutern in einem Interview, wie "Kurve kriegen“ funktioniert.

Wie funktioniert die Umsetzung des Projektes in der Praxis?

Irmgard Küsters:
"Die Erziehungsberechtigten von geeigneten Kindern zwischen acht und dreizehn Jahren werden von mir aufgesucht und über das Projekt informiert. Die Teilnahme ist freiwillig. Haben die Eltern ihr Einverständnis gegeben, nehme ich Kontakt zu Jörg Cadsky auf, der sein Büro seit dieser Woche gleich neben mir hat und jederzeit dort ansprechbar ist.“

Wie geht es danach weiter?

Jörg Cadsky:
"Ich kann bis zu 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichzeitig im Rahmen des Projektes betreuen und ich fungiere als eine Art Bindeglied zum Jugendamt und koordiniere die Netzwerkarbeit.

Als ausgebildeter Sozial- und Erlebnispädagoge ist es meine Aufgaben, neben eventuell bereits bestehenden und fortlaufenden Maßnahmen des Jugendamtes weitere individuelle Förderungsmöglichkeiten für den oder die Projektteilnehmenden zu finden. Diese reichen von Kompetenztrainings wie zum Beispiel Anti-Aggressionstrainings oder Elterntrainings über integrative Angebote wie Sprach- und Sportkurse und Lernhilfen zu Angeboten verschiedener Beratungsstellen.“

Und was geschieht weiter von polizeilicher Seite?

Irmgard Küsters:
"Meine Aufgabe ist es, den Teilnehmenden aus polizeilicher Sicht weiter zu beobachten, das heißt, ob es zu weiteren Straftaten oder Auffälligkeiten im Umfeld kommt. Die Teilnahme erfolgt in der Regel für zwei Jahre, geht bis zu einem Alter von 16 Jahren und wird in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Einrichtungen in Bonn umgesetzt."

Welcher Grundgedanke steckt hinter dem Projekt?

Irmgard Küsters:
"Aus Kindern und Jugendlichen, die der Polizei schon früh durch Straftaten und einem hohen Gewaltpotential auffallen, werden oft Mehrfachtäter oder sogar Intensivtäter. Im Jahr 2010 haben 3.969 mehrfach tatverdächtige Kinder und Jugendliche in NRW 29.936 Straftaten begangen. Das heißt, sechs Prozent haben circa ein Drittel aller Straftaten in dieser Altersgruppe begangen."

Jörg Cadsky:
"Ziel ist es, diese Kinder und Jugendlichen früh vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren und somit gleichzeitig die Anzahl der von Kindern und Jugendlichen begangenen Straftaten zu verringern, indem man sich zielgerichtet gemeinsam um sie kümmert.“

 

Zu unseren Fotos:

Bild 1: Unsere Partner vor Unterzeichnung des Kooperationsvertrages von links. 

  • Holger Jung, Erster Beigeordneter Stadt Meckenheim
  • Ulrich Hamacher, Leiter Diakonisches Werk Bonn
  • Jörg Cadsky, Pädagogische Fachkraft im PP Bonn
  • Sigrid Hofmans, Stadtkämmerin Bad Honnef
  • Dr. Raffael Knauber, Erster Beigeordneter Rheinbach
  • Ursula Brohl-Sowa, Polizeipräsidentin
  • Ralf Jäger, Innenminister NRW
  • Wolfgang Fuchs, Stadtdirektor Bonn
  • Marion Ammelung, Leiterin update
  • Peter Wirtz, Bürgermeister Königswinter
  • Alice von Bülow, Beigeordneter Stadt Bornheim
  • Sebastian Schuster, Landrat Rhein-Sieg-Kreis
  • Jean Pierre Schneider, Leiter Caritas Bonn

Bild 2, Titelbild: Am 19. August 2016 haben Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa und Innenminister Ralf Jäger gemeinsam mit den Kooperationspartnern der Öffentlichkeit das Präventionsprojekt vorgestellt.

Bild 3: Die Opferschutzbeauftragte der Bonner Polizei, Kriminalhauptkommissarin Irmgard Küsters, und Sozialpädagoge Jörg Cadsky, der als pädagogische Fachkraft in diesem Projekt arbeitet. 

Unsere Partner vor Unterzeichnung des Kooperationsvertrages Bild_1 _Bonn_KurveKriegen_160819
Die Opferschutzbeauftragte der Bonner Polizei, Kriminalhauptkommissarin Irmgard Küsters, und Sozialpädagoge Jörg Cadsky, der als pädagogische Fachkraft in diesem Projekt arbeitet. Bild_2 _Bonn_KurveKriegen_160819
Am 19. August 2016 haben Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa und Innenminister Ralf Jäger gemeinsam mit den Kooperationspartnern der Öffentlichkeit das Präventionsprojekt vorgestellt. Bild_3 _Bonn_KurveKriegen_160819